9. Dezember 2014

NEWS: Familien stärken gegen Extremismus und Gewalt.

Broschüre der Schriftenreihe Zentrum Demokratische Kultur erschienen

Die speziellen Anforderungen im Kontext Türkischer Ultranationalismus und Islamismus.

Claudia Dantschke

Seit Jahren beschäftigt sich das Zentrum Demokratische Kultur (ZDK) mit dem Thema Extremismus. In dieser Broschüre wenden wir uns nun zwei besonderen Erscheinungsformen des Extremismus zu: dem türkischen Ultranationalismus und dem Islamismus. Im Vordergrund steht nicht die scholastische oder politische Deutung dieser Erscheinungsformen des Extremismus, sondern die Analyse von Vorgängen in der Wirklichkeit, in den sogenannten Niederungen des Alltags. Dar‐aus sind sowohl theoretische Überlegungen hervorgegangen als auch Handlungs‐empfehlungen für die Praxisarbeit bestimmter sozialer Partner vor Ort.

Die Broschüre zeigt Möglichkeiten auf, wie extremistische Orientierungen abge‐baut und ultranationalistischen sowie islamistischen Organisationen Alternativen entgegengestellt werden können ohne Kulturen und Religionen zu verwerfen. Gestärkt werden kritische Sichten und eine kritische Politik, die darauf bedacht ist, die Pluralität und Integrationskraft des demokratischen Verfassungsstaats zu fördern. Familien und Gemeinden sind in den Überlegungen feste Größen. Sie müssen anerkannt und unterstützt werden, um sich demokratischen Werten in Freiheit und Würde öffnen zu können.

Familien als der soziale Kern einer Gesellschaft in diesem Bereich zu helfen, ist seit Jahren der Anspruch der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur mit der Initiative EXIT‐Deutschland und der damit verbundenen EXIT‐Familienhilfe. Im Rah‐men des Bundesprogramms “VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie” ergab sich die Möglichkeit, vor Ort aktiv zu werden, Probleme zu erfassen und zu durchleuchten. Ferner gab es die Chance, soziale Partner zu er‐schließen und Kooperationen zu erproben. Es galt, Ideen für die Beratung von Familien und Initiativen zu entwickeln mit dem Ziel, Menschen zu helfen, sich extremistischen, ultranationalistischen und islamistischen Orientierungen entge‐genzustellen und ihnen Alternativen anzubieten.

Der Ertrag dieser Anstrengung findet sich in der vorliegenden Broschüre. Sie ist nicht nur eine berichthafte Reflexion, sondern auch ein sinnhaltiges Handlungs‐modell. Die Broschüre enthält zahlreiche Hinweise für die Analyse und die Pla‐nung von Initiativen, Projekten sowie für die Beratungstätigkeit. Die Broschüre schließt eine Lücke. Denn häufig werden extremistische Orientierungen in Gestalt von Ultranationalismus und Islamismus in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit ausgeblendet. Oder aber diese gesellschaftlichen Phänomene werden ausschließ‐lich unter dem Terror‐Aspekt betrachtet. Diese Broschüre jedoch nimmt den Alltag in seiner kulturellen, politischen und sozialen Dimension in den Blick. Ein Blick, der oft auch im Bereich des „eutschen” Rechtsextremismus vernachlässigt wird.1 Wichtig ist es zu verstehen, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus quer durch Europa eine Welle der Ethnisierung läuft und der Islamismus als poli‐tisch‐religiöse Struktur starken Aufwind erfährt. Mancherorts wird dies gegen die menschenrechtliche Freiheit gewandt, als Normalzustand gesellschaftlichen Le‐bens begriffen und bis in den Fanatismus hinein zelebriert. Das verdeutlichen Gewalttaten und ihre Vorbereitungen immer wieder. Krieg und Terror erscheinen nicht überall als verachtenswert und werden als heilige Handlungen verklärt und verteidigt.

Die vorliegende Broschüre vermittelt sowohl grundlegende Kenntnisse über die verschiedenen Ebenen und Facetten von Ultranationalismus im türkischen Spekt‐rum als auch über den Islamismus. Sie hat außerdem lexikalische Aspekte. Einge‐schlossen darin sind Querbeziehungen und Synthesen. Zugleich ordnet die Bro‐schüre das Thema Familie und die angrenzenden sozialen Institutionen gesell‐schaftlich, religiös und politisch ein. Das hilft dabei, Handlungsansätze zu erschlie‐ßen, um deradikalisierenden Bemühungen zum Erfolg zu verhelfen und zwar aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Spektren und Verantwortungs‐beziehungen heraus. Gezeigt werden exemplarische Handlungsbeispiele, die er‐folgversprechende Ansätze für eine Arbeit an gemeinsamer Freiheit bieten ‐ bei gleichzeitiger Anerkenntnis des Unterschiedlichen.

Zu danken ist den Mitstreitenden in den staatlichen Bereichen, in den Berliner Bezirksämtern, der Polizei und den vielen Anderen für die offene und konstruktive Partnerschaft. Dazu gehören selbstverständlich auch die engagierten Gruppen und Bürgerorganisationen mit ihren sehr unterschiedlichen Profilen und Zielen. Ohne diese engagierte Vielfalt kann sich eine Gesellschaft, die von Freiheit und Würde lebt, nicht entfalten. Ohne ein solches Engagement lassen sich extremistische Orientierungen nicht verringern und die angetroffenen gravierenden Prob‐leme nicht lösen.

Es ist der Broschüre zu wünschen, dass sie viel gelesen wird und dass von den enthaltenen Informationen und Anregungen rege Gebrauch gemacht wird.

Bernd Wagner, Claudia Dantschke
Familien stärken gegen Extremismus und Gewalt.
Die speziellen Anforderungen im Kontext Türkischer Rechtsextremismus und Islamismus.
Schriftenreihe Zentrum Demokratische Kultur, Berlin 2010

Versand der Broschüre gegen eine Bereitstellungspauschale von je 2,50 € + 2,50 Versandkostenpauschale (Die Versandkostenpauschale erhöht sich je nach Anzahl) unter: info[at]zentrum-demokratische-kultur.de
Wir versenden gegen Vorkasse. Die Bearbeitung kann einige Tage in Anspruch nehmen.


Die Broschüre entstand im Rahmen des Modellprojektes “Familien stärken gegen Extremismus und Gewalt”. Das Projekt wurde gefördert im Rahmen des Bundesprogramms “Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie” des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.